Volksverhetzung im Deutschlandfunk ?

In der Sendung „Koran erklärt“ im Deutschlandfunk erläutern „[i]slamische Theologen und Islamwissenschaftler (…) jeden Freitag Verse aus dem Koran. Sie leisten damit einen Beitrag gegen Unkenntnis und Vorurteile, denn sie ordnen historisch ein, was im Koran vielleicht fremd erscheint.“ So steht es auf der Seite des Deutschlandfunks. In der Sendung von Freitag den 30. Juni 2017 („Zur Frage des Eroberungsanspruches im Islam“) wurde das Gegenteil gemacht: Vorurteile wurden verstärkt, indem die Gefahr eines Eroberungsfeldzuges des Islams beschworen wurde.

Ausgangspunkt war Sure 110, übersetzt nach Bobzin:

1Wenn Gottes Hilfe kommt und der Sieg,

²und du die Menschen siehst,

wie sie in Gottes Religion eintreten – in Scharen,

³dann lobpreise deinen Herrn, und bitte ihn um Vergebung!

Siehe, er ist gnädig zugewandt.“

Der Arabist Otto Jastrow reduzierte die Sure auf den ersten Vers und die militärische Bedeutung. Außerdem übersetzte er das Wort „nasr“, das Bobzin mit „Hilfe“ übersetzte, erst mit „Sieg“, später mit „Endsieg“ und „fath“, statt mit „Sieg“, mit „Eroberung“. Herauskommt: „Wenn Gottes Endsieg kommt und die Eroberung.“ Wurde hier bewusst Nazisprache verwendet?

„Gottes Sieg“ wird ohne Erklärung mit dem „Sieg des Islams“ gleichgesetzt. Dabei ist die Vorstellung eines Sieges Gottes auch in anderen Religionen verbreitet. „Gottes Religion“ wird auf den Islam verkürzt. Und obwohl einige Exeget*innen die Sure in einen historischen Zusammenhang stellen – ganz im Sinne der Sendung -, legt Jastrow die Sure als prophetische Worte aus. Zuerst im Sieg gegen die Mekkaner, dann in den Feldzügen der Spätantike.

Doch sei damit der Endsieg noch nicht erreicht. Jastrow warnt davor, dass „der Islam in seiner radikalen, fundamentalistischen Form wieder auferstanden“ sei und „sich zu einem neuen Siegeszug“ anschicke, „der Afrika, Asien, aber auch Europa im Visier hat. Statt der muslimischen Heere von einst werde die Eroberung nun von zahlreichen Terrormilizen vorangetrieben, unterstützt von ideologischer Propaganda und politischem Druck. In Europa kommen noch Migration und demographische Entwicklung als wichtige Faktoren hinzu.“ Fazit: „Dadurch gewinnt Sure 110 für uns eine beunruhigende Aktualität, eine latente Bedrohlichkeit“. Ich bin entsetzt, dass so eine Sendung im Deutschlandfunk ausgestrahlt wurde. Hier geht es nicht um Verständnis für den Koran, sondern darum, Ängste zu schüren.

Davon abgesehen, dass ich die vielen Übersetzungsänderungen nicht richtig finde, macht Jastrow meiner Meinung nach auch inhaltliche Fehler. Er schreibt selbst, die Worte richteten sich direkt an den Propheten Mohammed. Um Gott zu lobpreisen und ihn um Vergebung zu bitten, muss der Prophet aber leben. Demnach kann sich die Prophetie gar nicht auf einen bevorstehenden Feldzug in unserer Zeit beziehen, da Mohammed schon lange tot ist.

Und warum wird Vers 1 so stark in die militärische Ecke gedrängt? In erster Linie geht es doch um Gottes Hilfe. Ein Grundpfeiler aller Religionen. Würden wir nicht an Gottes rettende Hilfe glauben, wären die Religionen überflüssig. Außerdem ist nicht gesagt, um welchen Sieg es sich handelt. Es kann auch ein spiritueller Sieg gemeint sein.

Zudem finde ich die Betonung des ersten Verses irreführend. Meiner Meinung nach ist das Entscheidende der Lobpreis Gottes und die Erkenntnis der eigenen Verfehlungen. Voll Hoffnung dürfen wir uns reuig an den barmherzigen Gott wenden, denn „siehe, er ist gnädig zugewandt.“

Kategorien:Allgemein

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