Menschen, die Zivilcourage zeigen

In der letzten Woche kündigte das Schwäbische Tagblatt (Südwestrundschau) eine neue Serie mit dem Titel „Widerstand“ an. Jede Woche sollen Menschen und Orte Thema werden, die „Zivilcourage zeigen und nicht zusehen, wenn anderen Unrecht widerfährt“. Eine gute Idee, finde ich, für eine Sommerserie. Etwas verwundert hat mich dann aber der Anlass: 500 Jahre Protestantismus bzw. das 500. Reformationsjubiläum. Hat Martin Luther und mit ihm die reformatorische Bewegung „Widerstand“ geleistet? Ja, es war mutig, gegenüber der herrschenden Theologie seine Meinung zu äußern, Kritik zu üben. Es konnte bedeuten, als Ketzer verbrannt oder – jenseits von Recht und Gesetz – ermordet zu werden.

Dieser Widerstand hatte zunächst aber nichts Heroisches. Es ging Luther 1518 um einen theologischen Disput über die Gottesbeziehung des Menschen. Das klingt weder kämpferisch noch politisch. Es klingt nach Theologie. Aber vielleicht ist es doch auch politisch, über die Gottesbeziehung des Menschen nachzudenken?

Der verkleinerte Playmobil-Luther steht jedenfalls nicht auf einem steinernen Sockel. Aber die Feder und die Bibelübersetzung in deutscher Sprache sind verhältnismäßig groß proportioniert. Widerstand zu üben hieße demnach: über religiöse Traditionen ins Gespräch zu kommen, die Religion nicht nur als Privatsache zu behandeln, sich über Grenzen hinweg auszutauschen, sich auch mal angreifbar zu machen, streitbar zu sein, mit leichter Feder, ohne aggressiv zu werden.  Im  21. Jahrhundert muss man nicht zuletzt auch dafür offen sein, dass man sich irrt.

 

Kategorien:Allgemein

2 Kommentare

  1. malinhagel

    Sie mögen Recht haben, Frau Weyel, dass Luther eigentlich nicht das Ziel hatte großen Widerstand zu leisten, selbst groß raus zu kommen, die Welt in diesem Ausmaße zu verändern oder gar eine neue Religion/Konfession zu gründen. Er wollte eigentlich nur ein bisschen Gerechtigkeit herstellen und das zu Recht.
    Ich finde Ihre Anfrage begründet, finde es aber auch schön, dass er in dieser Serie seinen Platz findet. Letzendlich hat er den Anstoß zu Reformen gegeben. Auch wenn es erst mal gar nicht gut und schon gar nicht nach Reformen aussah (zumindest nicht aus katholischer Sicht). Aber heutzutage muss man, finde ich, auch in der katholischen Kirche zugeben, dass er auch der katholischen Kirche geholfen hat langfristig wieder ein Stück näher an die Gläubigen heranzurücken.
    Schade finde ich immer nur etwas, dass es auch viele Nachdenker*innen und Nachfrager*innen vor ihm gab, die manchmal im Rückblick etwas zu kurz kommen und die genau wie er Zivilcourage zeigten. Seine Gedanken waren ja nicht komplett neu. Er hat es, auch Dank des Buchdrucks, geschafft, dass sie so populär wurden, dass es ein Politikum wurde. Und deswegen darf man ihn schon beispielhaft als einen Menschen mit „Zivilcourage“ nennen.

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  2. Armer Luther, viele Menschen haben ihn zu seiner Zeit nicht verstanden und auch nach seiner Zeit wurde er oft missverstanden oder sogar für politische Ziele missbraucht (z. B. Luther als Beispiel für den deutschen Trotz). Je näher das Reformationsjubiläum kommt um so mehr Kopfschmerzen werde ich wohl bekommen, weil viele Luther nach ihrem Belieben für ihre (politischen) Ziele einspannen. Dabei sehe ich auch Luther in erster Linie als Theologen und gläubigen Christen, der vor allem eins gemacht hat: Wie Johannes der Täufer – das Idealbild eines Christen – hat er von sich weg auf Jesus Christus und dessen Botschaft verwiesen. Damit wird Luther zum Wegweiser und nicht zum Ziel. Auch für mich als Katholik.

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