Wie christlich müssen Weihnachtsmärkte sein?

In Thüringen hat eine Männergruppe einen 33jährigen Syrer angegriffen, weil er auf einem Weihnachtsmarkt Bratwürstchen verkauft hat. Als Begründung gaben sie einem Polizeisprecher zufolge an, empört darüber gewesen zu sein, „dass ein Nicht-Deutscher auf einem christlich-deutschen Weihnachtsmarkt Bratwürste brät“1. Diese Aussage lässt mich vermuten, dass die Männer mit dem Christentum wenig bis gar nichts zu tun haben, sondern die Religion zur Rechtfertigung ihrer Gewalt missbrauchten.
Weihnachtsmärkte gehören weder zum Bekenntnis, noch zum Vollzug des christlichen Glaubens. Es ist lediglich eine Ansammlung von Verkaufsständen im Advent. Deshalb ist es egal, was dort verkauft wird. Das kann auch neuheidnischer Schmuck sein. Genauso ist es aus christlicher Sicht egal, wer etwas verkauft. Schließlich darf nach katholischem Sakramentenverständnis bei Todesgefahr jeder Mensch die Taufe spenden, unabhängig von Stand, Nationalität und persönlichem Glauben. Dann sollte doch der Verkauf von Bratwürsten erst recht davon unabhängig sein. Zumal Syrer herzlich zu christlichen Gottesdiensten eingeladen sind. Dazu muss man nicht deutsch sein. Warum sollte die Nationalität dann auf einem „christlichen“ Weihnachtsmarkt eine Rolle spielen? Dürften katholische Polen etwa auch nicht auf dem christlich-deutschen Weihnachtsmarkt arbeiten?
Hier zeigt sich, dass manche Menschen zur Rechtfertigung der eigenen Handlung jede Tatsache so verwenden, wie sie gerade passt. Wenn muslimische Syrer sich weigern würden, Bratwürstchen zu verkaufen, weil sie kein Schweinefleisch zubereiten wollen, würde manche ihnen vorwerfen, sie wären Schmarotzer und sollten sich gefälligst an unsere „Schweinefleischkultur“ anpassen. Weil er die Arbeit angenommen hat, machten diese Männer dem Syrer seine Bereitschaft zu arbeiten zum Vorwurf.
Wahrscheinlich müssen wir uns daran gewöhnen, dass unsere Religion zur Begründung von rechtem Gedankengut und Gewalt missbraucht wird. Wir dürfen uns damit aber nicht abfinden und sollten Strategien entwickeln, um das Christentum vor diesem Missbrauch zu schützen.
https://www.msn.com/de-de/nachrichten/panorama/m%C3%A4nner-gehen-syrischen-bratwurstverk%C3%A4ufer-auf-weihnachtsmarkt-an/ar-BBGr8kk?li=BBqg6Q9

Kategorien:Allgemein

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