Verfassungsfeindlicher Minister?

Es ist schon schockierend, was der neue Minister Horst Seehofer da von sich gibt: „Der Islam gehört nicht zu Deutschland.“ Warum nicht? Widerspricht er damit nicht der Verfassung? Artikel 137 Absatz 1 des Grundgesetzes besagt: „Es besteht keine Staatskirche.“ Damit verpflichtet sich der deutsche Staat seit der Weimarer Verfassung zur Neutralität gegenüber allen Religionen und Weltanschauungen. Keine darf bevorzugt oder benachteiligt werden. Auch wenn Deutschland stark von der christlichen Religion geprägt ist, heißt das nicht, dass andere Religionen hier keine Heimat haben. Schließlich wird jedem Menschen in Deutschland nach Artikel 4 des Grundgesetzes „die ungestörte Religionsausübung (…) gewährleistet.“ Es ist schon bedenklich, wenn der Innenminister sich der Bedeutung dieser Gesetze nicht bewusst ist.

Und was ist mit Deutschen, die Muslime sind? Gehört deren Glaube dann auch nicht mehr zu Deutschland?

Theologisch fragwürdig ist die Begründung seiner Meinung: Deutschland sei durch das Christentum und Ereignisse wie den freien Sonntag, kirchliche Feiertage oder Rituale wie Ostern, Pfingsten und Weihnachten geprägt. Das alles ist doch weiterhin gewährt. Nur weil Menschen mit anderem Glauben oder einer anderen Wertvorstellung und deren Religion zu Deutschland gehören, muss das doch nicht abgeschafft werden. Oder gehört der von manchen teilweise sehr kirchenkritische bis -feindliche Humanismus auch nicht zu Deutschland?

Horst Seehofer offenbart zudem seine mangelnde Kenntnis des christlichen Glaubens. Um Christ zu sein, braucht man weder einen freien Sonntag, noch kirchliche Feiertage. Denn die Rituale können unabhängig davon gefeiert werden. Und zwar das ganze Jahr über, nicht nur an Ostern, Pfingsten und Weihnachten. Entscheidend ist die Nachfolge Christi anzutreten und seine Mitmenschen bedingungslos zu lieben, so wie Gott die Menschen bedingungslos liebt.

Vielleicht sollte sich Horst Seehofer erst einmal mit seiner eigenen Religion – der römisch-katholischen – auseinander setzen, bevor er „häretische“ Meinungen von sich gibt. Denn die Konzilsväter des Zweiten Vatikanischen Konzils legten in Dignitatis humanae fest:

Weil die Menschen Personen sind, d.h. mit Vernunft und freiem Willen begabt und damit auch zu persönlicher Verantwortung erhoben, werden alle – ihrer Würde gemäß – von ihrem eigenen Wesen gedrängt und zugleich durch eine moralische Pflicht gehalten, die Wahrheit zu suchen, vor allem jene Wahrheit, welche die Religion betrifft. Sie sind auch dazu verpflichtet, an der erkannten Wahrheit festzuhalten und ihr ganzes Leben nach den Forderungen der Wahrheit zu ordnen.

(…)

Deshalb steht diesen Gemeinschaften, wenn nur die gerechten Erfordernisse der öffentlichen Ordnung nicht verletzt werden, rechtens die Freiheit zu, dass sie sich gemäß ihren eigenen Normen leiten, der Gottheit in öffentlichem Kult Ehre erweisen, ihren Gliedern in der Betätigung ihres religiösen Lebens beistehen, sie durch Unterricht unterstützen und jene Einrichtungen fördern, in denen die Glieder zusammenarbeiten, um das eigene Leben nach ihren religiösen Grundsätzen zu ordnen.

(…)

Endlich muss die Staatsgewalt dafür sorgen, dass die Gleichheit der Bürger vor dem Gesetz, die als solche zum Gemeinwohl der Gesellschaft gehört, niemals entweder offen oder auf verborgene Weise um der Religion willen verletzt wird und dass unter ihnen keine Diskriminierung geschieht.“

Kategorien:Allgemein

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