Die Ibn-Rushd-Goethe Moschee

Am 16. Juni 2017 eröffnete eine siebenköpfige Gruppe um die Rechtsanwältin und Frauenrechtlerin Seyran Ates in Berlin, Moabit, die liberale „Ibn-Rushd-Goethe-Moschee“. Nicht nur der Name der Moschee scheint ungewöhnlich, sondern auch der Ort, die Vision der Gründer*innen, ihre Theologie und die Gemeinde. Nicht zuletzt sind der Medienrummel und die vielseitigen Reaktionen der Menschen und Gruppen zu beachten. Trotz der vielen Schwierigkeiten, die sich die Gründer*innen der Moschee ausgesetzt sehen, ist für Frau Ates klar: „dass sich liberale Muslime […] zusammentun müss[t]en, wenn sie wahrgenommen werden woll[t]en“[1]. Das erklärte Ziel, das durch die Gründung erreicht werden soll, drückt Frau Ates so aus: „Die Moschee soll zeigen: Unsere Religion besteht nicht aus Hass.“[2]

Doch gerade Hass schlägt Frau Ates entgegen, nicht nur erst seit der Eröffnung. Sie steht unter ständigem Personenschutz, der im Sommer 2017 nach der Eröffnung der Moschee noch einmal verschärft wurde. In einem Interview sagt sie dazu, dass es für sie mittlerweile in Ordnung sei, so könne sie wenigstens weiterhin öffentlich ihre Meinung sagen. Das tut sie auch, ob als Predigerin in der Moschee, als Demonstrantin zusammen mit ihrer jüdischen Freundin vor dem Brandenburger Tor für eine Religion ohne Gewalt, bei Anne Will in der Talkrunde und bei jedem Interview, das sie gibt.

Das Medienaufgebot ist riesig, als die Moschee eröffnet wird und auch 7 Monate nach der Eröffnung steht die Moschee immer wieder in den Schlagzeilen. Das ist eigenartig, denn eigentlich gibt es eine ganz ähnliche Initiative, auch in Moabit nur zwei Kilometer entfernt der Ibn-Rushd-Goethe-Moschee: seit drei Jahren trifft sich die Gemeinde um den „Liberal-Islamischen Bund“ (LIB) regelmäßig zum Gebet. Auch dort predigen Frauen und beten nebeneinander mit Männer, auch homosexuelle Gläubige sind willkommen. Dennoch arbeiten die zwei Gemeinden nicht zusammen. Das mag wohl an Frau Ates erklärtem Ziel liegen, sehr in der Öffentlichkeit und in den Medien präsent zu sein.

Aber nicht nur Frau Ates geht offensiv in die Öffentlichkeit, z.B. auch der bekennende homosexuelle Konvertit Christian Hermann wirbt öffentlich für einen liberalen Islam. Er hatte von der Eröffnung in den Medien gehört und schon nach einem Besuch wusste er: „Ich werde Muslim.“[3] Seither postet er Videos und predigt. Die Kritik an der Moschee nimmt er gelassen: Für die Kritiker*innen sei er kein Muslim und die Moschee sei keine Moschee. Er sehe das aber natürlich anders, er fühlt sich angekommen und zu Hause in der Gemeinde.

Die mediale Kritik an der Moschee und ihren Prediger*innen ist eindeutig und geht immer in dieselbe Richtung. Es geht um die Unmöglichkeit des nebeneinander Betens von Mann und Frau und die zu liberale Auslegung des Islam. Einige Kritik, und diese kommt gehäuft von den liberaleren Strömungen des Islam, geht auch direkt an Frau Ates, nämlich ihre Art den konservativen Islam zu verurteilen und ihren Einsatz für das Kopftuchverbot für Lehrerinnen. Dennoch ist sich Herr Hermann sicher, dass die Gemeinde wachsen wird.

Für mich zeigt die Auseinandersetzung mit den beiden liberalen Gemeinden in Berlin eines, nämlich, dass es den liberalen Islam in Deutschland gibt. Sowohl laut und offensiv, als auch leise, aber Beides beständig. Beide liberalen Gemeinden, der Liberal-Islamisch Bund (LIB) und die Ibn-Rushd-Goethe-Moschee, haben um die 30 feste Gemeindemitglieder. Aus der Perspektive einer politisch interessierten Katholikin freue ich mich, dass der Islam in Deutschland bunter ist, als man denkt und als es allzu oft von besonders populistisch denkenden Menschen transportiert wird. Wie auch im Katholizismus braucht es einen respektvollen und geduldigen Umgang mit allen Strömungen und eine klare Verurteilung eines wie auch immer gearteten Extremismus und Fundamentalismus.

[1] OPPENBERG, FRAUKE, „Ich will in der Moschee Mensch sein“, 16.06.17. In: https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2017/06/erste-liberale-moschee-in-berlin.html; abgerufen 11.01.2018, 11:28 Uhr.

[2] ATES, SEYRAN, Grüß Gott, Frau Imamin, 13.06.2017. In: http://www.zeit.de/2017/25/islam-liberalismus-frauen-reform-moschee-berlin/komplettansicht; abgerufen 09.01.2018, 13:47 Uhr.

[3] LÜBBE, SASCHA, Die neue im Kiez, 08.01.2018. In: https://www.taz.de/!5472158/; abgerufen 15.01.2018, 10:13 Uhr.

Kategorien:Allgemein

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